Review: Peter Finzel Test Disc S.E.
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Eine korrekte Kalibrierung der Heimkinokette ist, wie in vielen unseren Testberichten und Know How Texten stets erläutert, sehr wichtig, um eine möglichst akkurate Reproduktion des Film-Originals in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten.
Zu diesem Zweck gibt es zahlreiche Normen, die sowohl beim Mastering einer DVD als auch bei der Wiedergabe eingehalten werden sollten: Farbtemperatur, Helligkeitsverteilung, Farbumfang etc..

Eine "Pi mal Daumen" Justage per Auge führt stets nur zu subjektiven Ergebnissen, eine objektive Genauigkeit wird nicht erreicht. Abhilfe schaffen sogenannte Kalibrierungs-Test-DVDs. Von ihnen gibt es mittlerweile zahlreiche verschiedene auf dem Markt. Eine weitere ist die neue "Peter Finzel Test Disc S.E.". Selbstkritisch erwähnt der Autor, dass das Erscheinen "noch einer" Testdisk verwundert, sollte der Markt doch inzwischen gesättigt sein. Doch hier soll eine "Lücke" geschlossen werden: Die meisten Testdisks bieten zwar eine Fülle von Kalibrierungsbildern, aber vernachlässigen eine detaillierte Erklärung in Schriftform. Der Anwender erhält zwar die Mittel für eine Bildkalibrierung, nicht aber das Know How. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Vielzahl der Testbilder keinen praktischen Nutzen hat bzw. nur für Profis bei Spezialanwendungen Sinn macht.

Die Peter Finzel Test Disc soll auch dem Laien eine verständliche Einführung in die Bildkalibrierung geben und sich auf die (recht wenigen) wirklich wichtigen Testmuster beschränken. Mit € 19,80 ist sie preislich hinzu sehr fair angesiedelt. Wir haben überprüft, ob die Ziele verwirklicht wurden und sich der Kauf lohnt.


Lieferumfang

Das "Paket" besteht aus der Test DVD, einem rund 70-seitigem Handbuch in Taschenformat und einem Blaufilter.


Das Handbuch

Das Handbuch dient gleichzeitig als Anleitung für die Testdisk und als Einführung und Lehrbuch zur Arbeitsweise der Bildkalibrierung.
In rund neun Kapiteln werden die wesentlichen Bildaspekte in ihrer Funktion erläutert. Dabei wird jedes Testbild einzeln behandelt und dem Leser erklärt, worauf er zu achten hat. Besonders positiv fällt hierbei auf, dass das nötige Hintergrundwissen anschaulich an entsprechender Stelle vermittelt wird. Einer vorzeitigen "Frustration" wird damit vorgebeugt. Der Schreibstil ist dabei sachlich und verständlich, wer genügend Zeit mitbringt, wird nicht überfordert.

Natürlich kann in dem recht knappen Umfang des Buches kein "ultimativer Guide" erwartet werden. Doch Anfängern, die hier "auf den Geschmack" kommen, werden an diversen Stellen Anregungen und Tipps zu weiterführender Literatur, Software und Techniken gegeben. Sogar die Vorteile von Messinstrumenten werden erläutert. Letztere werden zwar auch von der Test-Disk unterstützt, sind aber nicht zwingend notwendig. Peter Finzel hat für jeden Aspekt der Bildkalibrierung Testbilder entwickelt, die auch ohne teure Hardware, also per Auge, interpretiert werden können.

Alles in allem überzeugt das Buch durch seine Vollständigkeit und gut strukturierte, verständliche Aufmachung. Die Lektüre ist sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen zu empfehlen. Man kann es von vorne bis hinten durchlesen, oder als Nachschlagewerk für die einzelnen Testbilder verwenden.


Die Test-DVD

"Kernstück" des Sets ist natürlich die Test-DVD. Sie beinhaltet zahlreiche Testmuster zur manuellen Kalibrierung als auch Messung von Signalen.
Entscheidender, aber oft vernachlässigter Aspekt von solchen Test-Disks ist eine unkomplizierte, übersichtliche Menuführung. Viele Scheiben "verstecken" geradezu wesentliche Testbilder in unzähligen Untermenus und erschweren so eine schnelle und handliche Bedienung. Wer schon einmal die amerikanische "Video Essentials" in den Händen hielt, weiß ein Lied davon zu singen.

Die Peter Finzel Testdisk ist im Hauptmenu in verschiedene Kategorien der Bildkalibrierung eingeteilt: "Einstellung", "Auflösung", "Farbdecoder & Gamma", "Farben & Graustufen", "Kontrast", "Messung", "Specials" und "De-Interlacer". Durch diese gute Gliederung "erreicht" man schnell und gezielt die gewünschten Testbilder.




Die Rubriken im Einzelnen:

1. Einstellung
Die Rubrik "Einstellung" bietet einige Testbilder, um die Geräte grob "vorzukalibrieren", bevor man mit den weiteren Testbildern ins Detail geht. Die Testbilder:


1.1 Geometrie-Kombinationstestbild 4:3

Ein vielseitiges Testbild, dass u.a. durch geometrische Muster wie Quadrate und Kreise aufzeigt, ob die Proportionen und Linearitätseinstellungen eines Displays stimmen. Kleinere Details erlauben erste Aussagen über Detailauflösung und Skalierung.


1.2 Pluge Pattern

Ein beliebtes Testbild, dass eine punktgenaue Anpassung des Schwarzpegels ermöglicht.


1.3 Grautreppe gegenläufig

Ermöglicht die Beurteilung des Kontrastverhältnisses, der Durchzeichnung und einer homogenen Farbtemperatur.


1.4 Needles, Pulses and Steps

Erlaubt weitere Kontrast und Schwarzwerteinstellungen. Ferner kann das Hochspannungsnetzteil von Röhrengeräten überprüft werden.


2. Auflösung

Um eine maximale Schärfe und Detaildarstellung zu gewährleisten, sollten DVD-Player und Bildausgabegerät die maximale Auflösung des DVD-Mediums ausnutzen. Je nach Gerät ergeben sich Einschränkungen durch Signalverarbeitung und Skalierung.


2.1 Kombitestbild 16:9

Gleiches Testbild wie unter 1.1 beschrieben, diesmal im 16:9 Format


2.2 Horizontaler Burst

Zeigt verschiedene Horizontal-Auflösungen, eingeteilt in verschiedene MHz Stufen, angefangen bei 0,5 MHz bis hin zu 6,75MHz (Maximal-Auflösung der DVD). Hier lässt sich die Genauigkeit der zu testenden Geräten überprüfen. "Verwischen" bzw. Doppelkonturen bedeuten fehlerhafte Detaildarstellung.


2.3 Horizontaler Farbburst

Ähnlich wie "horizontaler Burst", allerdings farbig. Da durch die 4:2:0 Kodierung von DVDs die Farbauflösung nur die Hälfte der Helligkeitsauflösung beträgt, ist hier der maximale Auflösung 3,475 MHz.


2.4 Vertikaler Burst

Ein praktisches aber seltenes Testbild, dass die vertikalen Auflösungsqualitäten aufzeigt. Je besser das Gerät, desto präziser und klarer erscheinen die einzelnen Zeilen, 576 TV-Lines stellt das Maximum von PAL-DVDs dar.


3. Farbdecoder und Gamma

Mit die wichtigsten Aspekte der Bilddarstellung sind eine korrekte Farbtemperatur und eine gleichmäßig akkurate Helligkeitsverteilung (Gamma). Leider sind sie ohne Messinstrumente besonders schwer zu kalibrieren. Die sich in dieser Rubrik befindlichen Testbilder erlauben eine Einstellung mit Hilfe des beiliegenden Farbfilters.


3.1 Gammatestbild

Testbild zur Kalibrierung der Helligkeitsverteilung (korrekte Graulevel). Da auf Messgeräte verzichtet werden soll, sind die Referenzwerte durch feine Schwarz/Weißmuster dargestellt. Die Kalibrierung erfordert viel Geduld und ist nicht auf jedem Gerät akkurat möglich.


3.2 Farbdekodertest

Dekoder & Y-Delay : Testbilder zur Überprüfung der internen Signal .-> RGB Wandlung des Bildausgabegerätes und der Luminanz / Chroma Konvergenz (Y-Delay).


3.3 Filtertestbilder

Mit Hilfe des beiliegenden Blaufilters kann hier die Farbsättigung optimiert werden. Betrachtet durch den Farbfilter sollten alle Bereiche gleich hell erscheinen.


3.4 Siemensstern

Geometrisches Testmuster, bei dem nur die Chroma-Signale zum Einsatz kommen. Hier lässt sich die Genauigkeit des "Chroma-Upsamplings" von DVD-Playern testen. Auch der bekannte "Chroma Upsampling Error" kann hier, wenn auch nicht in allem Umfang, verifiziert werden.


4. Farben und Graustufen

Hier finden sich Testbilder, die der Bildkalibrierung mittels Messinstrumenten dienen.


4.1 Grundfarben Vollbild

-> ->

Sequentielle, bildfüllende Darstellung der Grundfarben Rot, Grün und Blau mit abschließendem Weißbild. Mit Hilfe von Sensoren und Software lässt sich so der Farbumfang eines Projektors messen.


4.2 Graustufen Vollbild

Sequentielle, bildfüllende Darstellung verschiedener Helligkeitslevel (Graustufen), angefangen bei 0 IRE (Schwarz) bis hin zu 100 IRE (Weiß) in 10er Schritten.
Dient zur Messung und Einstellung einer homogenen, korrekten Farbtemperatur und Helligkeitsverteilung (Gamma).


4.3 Grundfarben Fenster


Wie "Grundfarben Vollbild", jedoch erfolgt die Anzeige nur in einem kleinen Fenster in der Mitte des Bildes. Damit wird Restlicht bei der Messung minimiert und künstlichem "Herunterregeln" von hellen Vollbildflächen bei Plasma Displays und Röhrengeräten vorgebeugt.


4.4 Graustufen Fenster

Wie "Graustufen Vollbild", jedoch erfolgt die Anzeige nur in einem kleinen Fenster in der Mitte des Bildes. Damit wird Restlicht bei der Messung minimiert und künstlichem "Herunterregeln" von hellen Vollbildflächen bei Plasma Displays und Röhrengeräten vorgebeugt.


5. Kontrast

Eine Optimierung des Kontrastverhältnisses bewirkt eine bessere Bilddynamik: Je größer das Verhältnis, desto mehr Helligkeitsabstufungen sind möglich, desto feinere Farb- Helligkeitsnuancen können dargestellt werden.
Die Kontrastmessung ist leider nur mit entsprechenden Messgeräten möglich.


5.1 Kontrast On / Off

->

Sequentielle Darstellung von "Schwarz" (0 IRE) und "Weiß" (100 IRE). Gemessen wird mittels Sensors die Leuchtstärke von Weiß und die von Schwarz. Das gemessene Kontrastverhältnis gibt an, um welchen Faktor Weiß heller ist als Schwarz. Je höher das Verhältnis, desto mehr Kontrast und Dynamik im Bild.


5.2 Kontrast On / Off markiert


Wie "Kontrast On / Off", nur mit Markierungen zur Sensor-Positionierung.


5.3 Kontrasttestbild

Schachbrett Muster mit schwarzen und weißen Teilflächen. Hier wird der "reale" Kontrast unter Berücksichtigung von Streulicht im Lichtweg gemessen.


5.4 Fenster & Grautreppen

Weitere Testbilder, mit denen sich Kontrast, Helligkeitsverteilung und Farbtemperatur abschätzen lassen.


6. Messung

Die Testbilder in dieser Rubrik dienen hauptsächlich der Signalmessung mit Hilfe eins Oszilloskops. Daher befinden sich keinerlei Einheiten bzw. Einblendungen in den Bildern. Allerdings kann auch per Auge das eine oder andere "entdeckt" werden.


6.1 Horizontaler Burst

Wie unter 2. (Auflösung), jedoch "unlabeled". Mit einem Oszilloskop lassen sich hier die Signalpegel und Videofiltereigenschaften im Verhältnis zur Auflösung messen.


6.2 Farbburst

Wie unter 2.3 , jedoch unlabeled.


6.3 H-Sweep 0,5 - 5MHz

Beim Sweep - Testbild erhöhen sich die Frequenzgänge nicht in 0,5MHz Schritten, sondern kontinuierlich.


6.4 PixelCropping

Die maximale Auflösung von DVDs beträgt 720 x 576 Pixel. Damit auch das gesamte Bild "ankommt", darf der DVD-Player nichts abschneiden. Bei diesem Testbild kann man leicht ablesen, wie viel Pixel oben, unten links und rechts "unterschlagen" werden.


7. Specials

Hier finden sich überwiegend dynamisch animierte Testbilder, mit denen man bestimmte Artefakte unterschiedlicher Darstellungstechniken "aufdecken" kann.


7.1 False Contour

Eine besonders bei DLP-Projektoren und Plasmadisplays nützliche Testsequenz. Da bei diesen Techniken Helligkeitsabstufungen durch Lichtintervalle erzeugt werden, entstehen bei bewegten Konturen leicht ungewollte "Störungen", die zu Dynamikreduktion führen. Durch bewegte Grauabstufungen lassen sich solche Defizite erkennen.


7.2 Gitter mit Markierungen

Statisches Testbild, das die gängigen Filmformate (1,78:1 ; 1,85:1 , 2,35:1) durch Randmarkierungen anzeigt.


7.3 "24 Frame" Pendel

Testsequenz die die Beurteilung von De-Interlacing und Projektionsspezifischen Artefakten vereinfacht.


7.4 100 Hz Test

Die Testsequenz zeigt verschieden schnelle Lauftexte. Hier werden eventuelle Defizite durch De-Interlacing, unterschiedliche Phosphorleuchtzeiten, Trägheit von LC-Displays etc. deutlich.


8. De-Interlacing

Digitalprojektoren zeigen das darzustellende Bild stets progressiv, also in Vollbildrn an. Einkommende Halbbilder müssen daher auf Vollbilder umgerechnet werden. Dieser "De-Interlacing" Vorgang ist entscheidend für die Detailtreue. Spätestens seit der Einführung von PAL Progressive als Standard für DVD Player ist auch hier die De-Interlacing Qualität zu testen.


8.1 Filmmode

Mehrstufige Testsequenz, die die De-Interlacing Eigenschaften bei Filmmaterial (24 bzw. 25 Vollbilder / sec) überprüft.


8.2 Progressiv

Testsequenz, bei der die DVD Zusatzinformationen ("Flags") auf "progressive" gesetzt wurden.


8.3 Interlaced

Selbe Testsequenz wie 8.2, jedoch mit auf "interlaced" gesetzten Flags. Einfache DVD Player, die sich nur an den Flags orientieren, erzeugen hier Detailverlust und Kantenflimmern.


8.4 Kameramode

Bildmaterial, dass im sogenannten Videomodus aufgenommen wurde. Hier stellt jedes Halbbild eine eigene Momentaufnahme dar. Mit Hilfe der Testsequenz kann man die Interpolationsqualität von Progressive Scan Player bzw. Display / Projektor beurteilen.


Colorfacts - Kompatibilität

Die Peter Finzel Test Disk ist offiziell zu "Colorfacts" kompatibel. Hierbei handelt es sich um ein professionelles Kalibrierungsprogramm aus den USA, mit dessen Hilfe eine detaillierte Bildanalyse und Kalibrierung durchgeführt werden kann.

Im Handbuch wird an entsprechenden Stellen ausgiebig auf die Funktionsweise eingegangen.


Fazit

Die Peter Finzel Test-Disc S.E. ist eine rundum gelungene Zusammenstellung nützlicher Testbilder und Sequenzen. Sie bietet ein angemessenes Grund-Repertoire, um eine gute Kalibrierung zu ermöglichen. Während zahlreiche Konkurrenz-Produkte auf eine möglichst hohe Anzahl von (oft auch unsinnigen) Testbildern setzen, gilt hier "Klasse statt Masse". Dabei werden sowohl die Bedürfnisse von Anfängern mit einfachen Testbildern für das Auge als auch Profianforderungen mit Testbildern für Messungen mit Sensoren oder Oszilloskop erfüllt. Durch die übersichtliche Anzahl und die gute Strukturierung ist eine schnelle Anwendung möglich.
Abgerundet wird der gute Eindruck durch ein gelungenes Anleitungsbuch mit zahlreichen Hintergrundinformationen, einfach und klar beschrieben, um für jedermann verständlich zu bleiben. Cine4Home empfiehlt das "Testpaket" als gute Ergänzung auch zu unseren Tests und Know How Texten, besonders zu dem fairen Preis von € 19,80 - günstiger als die meisten anderen.
Nähere Informationen bei www.peterfinzel.de .

E. Schmitt

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