| Projektortuning: JVC DLA SX-21 |
| Kontrast- und Schwarzwerterhöhung, eine Anleitung |
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Glückliche Besitzer eines JVC SX-21 D-ILA Projektors haben nur unter zwei "Mankos" zu leiden, dem mäßigen Schwarzwert und dem daraus resultierenden reduzierten Kontrast. Wie in unserem
Test gemessen, bietet der SX-21 bei korrekter Farbtemperatur "nur"
einen Kontrast von knapp 690:1. Gleichzeitig hat der Schwarzwert einen
deutlichen Blaustich. 1. Filtertuning
In nahezu allen Helligkeitsbereichen von 10IRE (dunkelgrau) bis 100 IRE (weiß) beträgt die Farbtemperatur fast punktgenau 6500k. Nur in sehr dunklen Grautönen und im Schwarzwert gerät sie "aus den Fugen". Kein Beinbruch, ist für das menschliche Auge in den unteren Helligkeitsbereichen eine Farbverschiebung nicht auffällig.
Unser RGB Diagramm zeigt: Unterhalb von 10 IRE nimmt der Blauanteil deutlich zu. Daher ist das Projektorenschwarz auch eher "bläulich" als "grau". In den restlichen Helligkeitsbereichen zeigt sich eine gute Annäherung der Grundfarben an die perfekten 100% (gestrichelte Linie). In dieser Werkskonfiguration bietet sich ein Kontrast von 690:1. In den
technischen Daten des Herstellers steht aber ein Kontrastverhältnis
von 800:1. Wie locken wir diesen Kontrast tatsächlich aus dem Gerät?
Wie in unserem Special erwähnt, beschreibt das Kontrastverhältnis die maximale Lichtausgabe (Weiß) im Verhältnis zur minimalen (Schwarz). Am Schwarzwert des Projektors lässt sich im Moment nichts ändern, er ist, mitsamt dem Blaustich, tatsächlich (leider) das "Dunkelste", was der Projektor erreichen kann. Um den Kontrast zu erhöhen bleibt also nur noch eine Steigerung der maximalen Lichtausgabe (Weiß). Dazu gehen wir im Bild-Menu des Projektors auf die Option "Farbtemperatur" und wählen "User" bzw. "Anwender". Es erscheinen drei getrennt verstellbare Parameter für Rot, Grün und Blau. Sie sind jeweils von "-255" bis "0" regelbar, wobei "0" das Maximum darstellt. Um die Lichtausbeute zu erhöhen, setzen wir alle drei Farben auf
das Maximum "0".
Über alle Helligkeitslevel hinweg haben wir einen deutlichen Rotmangel. Dem Bild fehlt also nicht nur in Weiß die Farbe Rot, sondern in allen Helligkeiten! Die Farbtemperatur ist durchgehend zu kühl:
Dieses Defizit kann bei einer akkuraten Videoprojektion nicht hingenommen
werden. Die Farbpegel müssen wieder ausgeglichen auf die gestrichelte
Linie gebracht werden. Mit den digitalen Einstellmöglichkeiten des
Projektors ist das nicht möglich. Die Farben müssen also "optisch"
und extern angeglichen werden. Der gewählte Filter ist sogar so stark, dass er auf den ersten Blick zuviel Grün und Blau herausfiltert. Von nun an haben wir einen Rotüberschuss im Bild:
Diese "Überfilterung" hat aber durchaus ihren Sinn, Erläuterungen dazu später. Obiges Diagramm zeigt den durchgehenden Rotüberschuss über alle Helligkeiten hinweg. Nun ist die Farbtemperatur durchgehend zu "warm": Mit diesem Rotüberschuss sind wir daher immer noch nicht am Ziel.
Es gilt Rot zu reduzieren. Hierfür bedienen wir uns wieder dem RGB
Menu des Projektors.
Auch Blau und Grün müssen minimal per RGB Menu optimiert werden. Bei einer perfekten Einstellung ergibt sich eine sehr gute Farbverteilung: Alle Farben sind nahezu perfekt angeglichen. Der minimale Blaumangel
in Weiß (ganz rechts im Diagramm) macht sich im Bild nicht störend
bemerkbar. Unterhalb von 10IRE (schwarz bis dunkelgrau) ist immer noch
ein deutlicher Blauüberschuss. Er lässt sich aus technischen
Gründen nicht komplett beseitigen, erscheint aber schon wesentlich
geringer als ohne Farbfilter. Mit der Kalibrierung sind wir nun fast fertig. Das Bild erscheint allerdings nicht heller als vor der Kalibrierung. Im Gegenteil: Weiß ist sogar leicht reduziert. Allerdings bietet der Projektor eine so enorme Helligkeit, dass Weiß immer noch "strahlend" ist, Bildbreiten bis 3m sind nach wie vor kein Problem. Doch wenn die maximale Lichtausbeute nicht erhöht wurde, wo ist unser Kontrastgewinn? Da Kontrast das Verhältnis zwischen Weiß und Schwarz ist, muss sich also unser Schwarzwert verbessert haben. Und tatsächlich, das maximale "Schwarz" erscheint nun deutlich dunkler und bietet so mehr Bildtiefe in dunklen Szenen. Gleichzeitig hat sich der "Blaustich" deutlich reduziert. Schwarz erscheint bei weitem nicht mehr so bläulich wie vor der Kalibrierung. Wir haben mit unserem Tuning also gleich "drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen": a) Kontrasterhöhung von rund 690:1 auf 830:1 (20%) b) Schwarzwertverbesserung mit nun akkurateren Dunkelszenen c) Ausgewogeneres Schwarz, mit reduziertem Blaustich Nicht schlecht für ein paar Handgriffe und den geringen Kosten von gerade einmal € 20.- . Mit einem Graustufentestbild machen wir den letzten Feinschliff: Mit Hilfe der Standard- Helligkeits- und Kontrastfunktion des Projektor Menus kalibrieren wir das Bild so nach, dass sowohl Schwarzwert als auch Weißpegel optimal sind. Dazu verwenden wir ein Graustufentestbild, z.B. von der günstigen und guten Peter Finzel Testdisc.
Das Bild ist so einzustellen, dass alle Felder klar getrennt in ihrer Helligkeit erscheinen, angefangen bei Schwarz (1) bis hin zu Weiß (16). Dabei dürfen keine Felder "zusammenfallen". Bei zu hoch eingestelltem Kontrast, erscheinen die höchsten Graulevel alle fast weiß und sind nicht mehr zu unterscheiden. Bei zu geringer Helligkeit trifft es die dunkelsten Graulevel, sie werden alle zu schwarz. Bei unserem Testgerät reichten minimale Änderungen in Kontrast und Helligkeit von jeweils nur EIN bis ZWEI Stufen. Nach diesem Feinschliff ist die Filter-Kalibrierung beendet und es kann
"geguckt" werden. Das Bild bietet mit seinem erhöhten Kontrastverhältnis
mehr Dynamik für Helligkeits- und Farbabstufungen. Das Bild gewinnt
über alle Helligkeiten hinweg an Durchzeichnung und Plastizität.
Besonders in dunklen Szene ist der Gewinn an Räumlichkeit deutlich
zu sehen.
Wie genau hat unser "Trick" funktioniert? Dazu sehen wir uns noch einmal Schritt für Schritt die "Veränderungen" an: Als erstes haben wir im RGB Menu alle Farben maximiert. Mehr Licht kann der Projektor nicht ausgeben. Dabei zeigte sich ein deutlicher Rotmangel gegenüber den Grün- und Blauanteilen:
Unser Schwarz hat zuviel Blauanteile und ist insgesamt zu hell:
Durch die Filterung wird der Helligkeitsgewinn wieder relativiert.
Auch hier wird Grün und Blau reduziert. Damit verbessert sich der Schwarzwert deutlich. Gleichzeitig wird der Blauüberschuss relativiert. Er ist nun im Verhältnis zu Rot ausgeglichener, der Blaustich ist reduziert. Mit Hilfe des RGB Menus passen wir nun die Rot, Grün und Blaulevel wieder elektronisch an:
Nun stimmt die Farbtemperatur wieder, das verbesserte Schwarz bleibt unverändert. Unser Kontrastverhältnis hat sich um 20% gesteigert:
Bei dem Tuning haben wir uns für ein relativ starken CC 30 Filter
entschieden. Für eine "punktgenaue" Anpassung wäre
aber eigentlich ein CC 20 Filter ausreichend gewesen. Auch er hätte
den Kontrast auf 830:1 gesteigert. Nach der Filterung hätte man keinen
"Rotüberschuss" mehr gehabt. Der Weißpegel wäre
sogar heller. Der DLA-SX21 hat eigentlich so eine hohe Lichtstärke, dass auch
noch stärkere Rotfilter denkbar wären, ganz nach persönlichem
Geschmack.
Wem oben erläutertes einfaches Tuning immer noch nicht ausreicht, der kann durch eine interne Modifikation des Projektors das "Streulicht" im Lichtweg des Projektors reduzieren, was zu einem nochmals verbesserten Schwarzwert und noch intensiveren Farben führt. ACHTUNG: Diese Modifikation
ist nur Profis zu empfehlen, die sich mit technischen Geräten auskennen.
Sie fordert viel Geschick und Fingerspitzengefühl. Ferner führt
jede unsachgemäße technische Veränderung zum direkten
Garantieverlust !!
a) Das Bild wird durch das zusätzliche Licht "heller". Die nominale Lichtausbeute ist gesteigert. Dies ist im Sinne vieler Hersteller. b) Der Schwarzwert wird auch "heller". Dunkle Szenen verlieren an Tiefenwirkung. c) Die Farben werden blasser: Das Streulicht bleicht die Farben des eigentlichen "Bildlichtes" aus. Man erkennt leicht, dass die Nachteile der Punkte b) c) bei der filmoptimierten
Projektion im Heimkino gegenüber dem Vorteil a) überwiegen.
Gerade im speziellen Fall des vorliegenden DLA SX21, der so lichtstark
ist, dass Bildbreiten unter 2m fast "unerträglich" hell
erscheinen, kann man auf Streulicht gerne verzichten. Einige Hersteller haben dies erkannt und integrieren direkt ab Werk eine solche Blende. Besonders durchdachte Modelle haben sogar eine regelbare Blende: An einem Einstellrad kann der Benutzer ganz einfach, genau wie die Bildgröße und die Schärfe, die Blendengröße und damit das Streulicht auf seinen persönlichen Geschmack reduzieren. Der DLA-SX 21 bietet dieses technische Feature leider nicht. Dies ist
aber auch verständlich, schließlich handelt es sich hierbei
nicht um einen filmoptimierten Projektor, sondern ein auf Präsentation
optimiertes Gerät, hier geht Lichtausbeute vor Schwarzwert und Farben.
Die Streulicht-Blende kann leider nicht wie ein Farbfilter extern vor
der Optik platziert werden. Sie muss in den inneren Lichtweg. Dafür
ist ein Öffnen des Projektors unvermeidbar. Wer sich nicht wohl fühlt,
sein € 10000.- Gerät zu öffnen, der sollte die Finger davon
lassen! Nach Abnehmen des "Deckels" liegt die Hauptplatine sowie die Optik des Projektors frei. Achtung: Nur in Räumen mit geringer Staubentwicklung arbeiten, ohne Gehäuse gelangen störende Partikel leichter in die optischen Einheiten!
Die im Vordergrund sichtbare optische Einheit ist der für uns interessante Teil. Die Blende muss zwischen Lichtaustritt des optischen Blocks und Projektionslinse eingefügt werden.
Im nächsten Schritt muss die Projektionsoptik entfernt werden:
Die Maße der Blende sollten so gewählt werden, dass sie sich leicht vor der "Werksblende" platzieren lässt. Hier ist ein wenig Probieren angesagt. Die Größe des neuen Fensters sollte individuell auf die Bildgröße und den persönlichen Geschmack angepasst werden. Am besten man beginnt mit einem kleinen Ausschnitt. Ist er zu klein, so ist ein deutlicher Helligkeitsabfall an den Rändern des Bildes zu erkennen. Diese Schattenbildung sollte vermieden werden. Befestigen kann man die Blende entweder mit hochwertigem Doppelklebeband oder man "perfektioniert" sie, indem man sie mit Löchern auf die Schrauben anpasst, die aus der originalen Blende ragen.
Bei jeder neuen Fenster-Größe gilt es "Probegucken". Dafür setzt man einfach die Blende und die Projektionsoptik ein, ein Verschrauben ist nicht notwendig, eine relativ zeitaufwändige Prozedur. Achtung: Beim Einsetzen der Blende darauf achten, dass man den Glasblock nicht berührt! Am besten Handschuhe verwenden! Hat man die Blende so angepasst, dass sie bei gewählter Bildgröße eine gute Bildhelligkeit mit einem verbesserten Schwarzwert kombiniert, wird sie dauerhaft montiert. Das neue Lichtaustrittsfenster erscheint nun verkleinert, Streulicht wird absorbiert:
Der Projektor wird wieder zusammengeschraubt und die Blendenmodifikation ist "vollendet". Im Filmbetrieb bietet das Bild nun einen nochmals verbesserten Schwarzwert und kräftigere Farben. Ein eventueller Nachteil: Shading-Effekte des Projektors können in Grauflächen leicht verstärkt wirken. Da der DLA-SX21 allerdings von Haus aus so gut wie kein Shading aufweist, ist dies zu vernachlässigen
Bei eventuellen Fragen zu den Modifikationen sowie Erfahrungsberichten
oder Ergänzungsvorschlägen schreiben Sie uns eine e-mail: info@cine4home.de Ekkehart Schmitt |