Kontrasterhöhung und Schwarzverbesserung bei Digitalprojektoren
Farbkorrektur- und Graufilter helfen manchmal Wunder
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Viele Projektoren sind in ihrer Werkseinstellung nicht perfekt abgestimmt. Manchmal spielt auch die prinzipielle Konstruktion eine Rolle. Mit einfachen Mitteln lässt sich in vielen Fällen das Kontrastverhalten von Projektoren deutlich verbessern, ohne große "Kompromisse" bei Helligkeit oder Farbwiedergabe eingehen zu müssen. Dieser Artikel erläutert die Hintergründe und Vorgehensweise.


1. Grundwissen der Projektionsdarstellung

1.1 Bilderzeugung durch Grundfarben

Aktuelle Digitalprojektoren arbeiten, indem sie aus dem Glühbirnenlicht für jede Grundfarbe (Rot, Grün, Blau) je ein separates Bild mit den entsprechenden Farbanteilen erzeugen. Diese monochromen Bilder werden anschließend zu einem gemeinsamen Farbbild zusammenkombiniert (3 Chip LCD) oder schnell nacheinander projiziert (1 Chip DLP). Eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Projektions-Techniken finden Sie im Artikel: "Großbildprojektion - Eine Einführung" im Know How Bereich von Cine4Home.


LCD Projektoren brechen das Licht in seine Grundfarben


DLP Projektoren verwenden ein Farbrad zum Erzeugen der Grundfarben


1.2 Farbabstimmung

Doch wie genau werden die notwendigen, jeweiligen Farbanteile bestimmt, um eine absolut akkurate Farbwiedergabe, wie im Kino, zu gewährleisten?
Wie viele im Physikunterreicht gelernt haben, ergeben die drei Grundfarben, wenn sie zu gleichen Teilen überlagert werden, die Farbe Weiß. Doch Weiß ist nicht gleich Weiß. Was zunächst nach Werbeslogan für Waschmittelprodukte klingt, ist ein wesentlicher Aspekt der Videokalibrierung. Tatsächlich ist unser menschliches Auge in der Lage, unzählig viele Nuancen von Weiß zu unterscheiden. Zur korrekten Weißanalyse (Farbtemperatur) gibt es die Einheit "Kelvin", benannt nach dem Britischen Physiker W.T. Kelvin. Sie nimmt als Referenz einen theoretischen Körper der bei 0° Kelvin (= -273° Celsius) absolut schwarz ist und setzt seine bestimmten Glühfarben in Bezug auf die Temperatur, auf die er erhitzt wird.
3000 Kelvin bezeichnen also das Weiß, dass dieser theoretische Körper bei 3000° K erzeugt.
Normales Tageslicht hat eine Farbtemperatur von ca. 5000 Kelvin (kurz D50), Mittagssonne ca. 6500 K (D65).


Rot, Grün und Blau ergeben überlagert Weiß

Welches Weiß erzeugen nun Fernsehgeräte und Projektoren? Um eine einheitliche Farbwiedergabe zu gewährleisten, wurde für die Videodarstellung die Farbtemperatur 6500K (wie Mittagslicht) ausgewählt. Idealerweise erzeugt ein Projektor also ein Weiß, bei dem die Rot-, Grün- und Blauanteile so abgestimmt sind, dass ein Weiß mit 6500K entsteht.


Verschiedene Weißtöne

Natürlich kann man diesen Weißabgleich auch verändern (je nach persönlichem Geschmack) aber dies verfälscht die Farben insgesamt. Denn: DVD und Videotransfers werden auf 6500°K abgestimmt. Und was beim Encoden zu Grunde gelegt wird, muss folglich auch beim Decoden / Darstellen beachtet werden.
Die Farbtemperaturanpassung erfolgt übrigens nicht nur für das maximale Weiß. Auch sämtliche Grautöne, die nichts anders sind als Weiß mit reduzierter Helligkeit (Helligkeitsabstufungen), sind idealer weise auf 6500°K abgestimmt. Das Ergebnis ist eine perfekt homogene Grauskala. Ist sie erreicht, stimmt die Farbwiedergabe in allen Helligkeitsbereichen.


Homogene Grauskala

Die Grauabstufungen werden in sogenannte "IRE" Level eingeteilt. Schwarz entspricht IRE 0, Weiß IRE 100. Grauskalen bestehen oft aus 10 verschiedenen Graubalken mit Helligkeitssprüngen von 10 IRE (IRE 0,10,20....100).
Das Verhältnis von maximalem Weiß (ganz rechts) gegenüber Schwarz (ganz links) beschreibt den Kontrast. Hat ein Gerät einen Kontrast von z.B. 800:1, so ist die Helligkeit des maximalen Weiß 800 mal so groß wie die des Schwarz. Je größer der Kontrastumfang, desto mehr Grauabstufungen sind theoretisch möglich. Die Dynamik wird erhöht.

Um also Farbdarstellung und Kontrast eines Projektors zu optimieren, sollten folgende Punkte erreicht werden:

a) Das maximale Weiß sollte dem Maximum entsprechen, das der Projektor farblich korrekt darstellen kann.

b) Schwarz sollte möglichst dunkel sein. Je dunkler desto besser die Durchzeichnung in kontrastarmen Szenen.

c) Der Projektor muss in allen Helligkeitsbereichen die Rot-, Grün- und Blaufarbanteile so mischen, dass die Farbtemperatur 6500°K entspricht (perfekte Grauskala).

1.3 Maximales Weiß

Das Maximale Weiß entspricht dem Weiß, das der Projektor bei maximaler Helligkeit noch so darstellen kann, dass die Farbtemperatur 6500°K entspricht, die Rot-, Grün- und Blauanteile also noch richtig abgestimmt sind.
Dieser maximale Weißwert wird durch die "Limitierende Farbe" festgelegt. Was bedeutet "limitierende Farbe"?
Wie oben erläutert, teilt der Projektor mit Hilfe von Prismen oder Farbrad das weiße Licht der Glühlampe in seine Grundfarben auf. Bedingt durch die jeweilige Konstruktion sind die sich ergebenden Farbanteile aber nicht gleich stark. Im Idealfall entsprächen die Farbanteile denen von 6500°K, aber schon die Glühlampe weicht meistens mit ihrem ursprünglichen "weißen" Licht ab. UHP Birnen, die in den meisten Projektoren Verwendung finden, produzieren z.B. nicht 6500°K. Xenon Birnen (z.B. in D-ILA Projektoren) kommen diesem Wert am nächsten.
Durch diese "Ungenauigkeiten" im Licht ergeben sich also Farbüberschüsse, die vom Projektor bei der Bilddarstellung "herauskorrigiert" werden müssen. Umgekehrt gibt es zwangsläufig eine Farbe, die die Schwächste darstellt. Sie hat ihre maximale Leuchtkraft schon bereits erreicht, während andere Farben noch Potenzial haben (das aber wegen der Farbtemperatur ungenutzt bleibt).


Die limitierende Farbe (hier Rot) bestimmt die maximale Helligkeit

Produziert ein Projektor z.B. weniger Rot als Grün und Blau, so bestimmt Rot die maximal mögliche Helligkeit bei einem Weiß von 6500°K. Grün und Blau könnten zwar noch "höhergedreht" werden, würden aber die Farbtemperatur verändern. Ein Fehler der oft nicht bemerkt wird: Zu hoch eingestellter Kontrast zwingt den Projektor, die Grundfarben über die limitierende Farbe hinaus zu maximieren.


1.4 Schwarzwert

Digitale Projektoren produzieren bis heute kein perfektes Schwarz. Wie ein Filmprojektor müssen die LCD bzw. DLP Panels das Licht der Glühbirne herausfiltern. Dies gelingt nicht vollständig, ein wenig Restlicht gelangt immer an die Leinwand und sorgt für ein dunkles Grau anstatt dem gewollten Schwarz. Dies macht sich besonders bei dunklen Szenen störend bemerkbar. Nachtschwarz wirkt nicht richtig schwarz, sondern eher milchig, wie bei Nebel. Dunkle Farbtöne werden leicht von diesem Grau verschluckt.
Neben dem maximalen Weiß ist demnach ein möglichst dunkles Schwarz erstrebenswert. Doch wie verringert man diesen technisch bedingten Schwarzwert? Selbst wenn man die Helligkeit und Kontrast des Projektors komplett herunterregelt, bleibt das Grau. Der Projektor ist nicht in der Lage, mehr Licht herauszufiltern.
Hier kommen Lichtfilter ins Spiel:


2. Kontrasterhöhung durch Farbfilter

Farbkorrekturfilter sind im Fotofachhandel in allen möglichen Ausführungen erhältlich. Ursprünglich für die Farbkorrektur bei Fotoaufnahmen gedacht, sind sie auch im Heimkinobereich einsetzbar.


Farbkorrekturfilter

Verfügt ein Projektor über eine besonders starke Grundfarbe oder über eine besonders schwache (limitierende) Farbe (vgl. oben), so kann mit einem Farbfilter der Kontrast, sprich Verhältnis von Weiß zu Schwarz, deutlich erhöht werden. Doch wie funktioniert diese "magische" Kontrasterhöhung? Betrachten wir dazu ein Beispiel: Angenommen, unser Projektor verfügt über besonders wenig Blau im Verhältnis zu Rot und Grün. Durch die Anpassung an die richtige Farbtemperatur wird Grün- und Rot- Potenzial verschenkt:


Blau am schwächsten, Rot und Grün werden im Projektor digital "gekappt"

Bei Weiß leuchtet Blau mit hellst möglicher Kraft, während Rot und Grün noch nicht am Maximum angelangt sind.
Ein Farbkorrekturfilter kann nun diese Farbdifferenzen so ausgleichen, dass der Projektor alle Farben im Maximalbereich bei richtiger Farbtemperatur betreiben kann. In unserem Beispiel kann dieses mit einem Blaufilter erreicht werden. Er wird einfach, wie bei einer Fotokamera, vor der Linse des Projektors montiert:


Farben extern durch Filter korrigiert

Der Blaufilter lässt mehr Blau als andere Farben hindurch. Rot und Grün werden teilweise "herausgefiltert". Kleine Ungenauigkeiten nach der Filterung (in unserem Beispiel leichter Grünüberschuss) können im Projektor digital nachjustiert werden.
Die grobe Farbkorrektur, sprich das "Kappen" von Rot und Grün gegenüber Blau, wird nun nicht mehr digital im Projektor vorgenommen, sondern extern durch den Filter. Das Ergebnis im Weiß ist das selbe. Was nützt uns der Aufwand dann?
Der Unterschied wird klar, wenn man nun den Schwarzwert des Projektors betrachtet.
Wie oben erwähnt, leiden Digitalprojektoren immer noch darunter, dass sie auch bei Schwarz Licht, sprich die drei Grundfarben, hindurchlassen und auf die Leinwand projizieren:


Restlicht der Projektion bei "Schwarz"

Digital ist der Projektor nicht in der Lage, dieses Restlicht zu eliminieren.
Ist jedoch ein Filter installiert, so filtert er natürlich nicht nur in Weiß, sondern auch im Schwarz Licht heraus. Unser Blaufilter im Beispiel würde sich so auswirken:


Rot und Grün werden auch im Schwarz "gekappt"

Rot und Grün werden weiter verringert, was eine deutliche Verbesserung des Schwarzwertes zur Folge hat. Wer mitgedacht hat wird bemerken, dass im Schwarz jetzt die Farbtemperatur (gleiche Verteilung von Rot, Grün und Blau) nicht mehr stimmt. Dies ist für unser Beispiel richtig aber in der Praxis produzieren Projektoren kein korrektes Grau als Schwarzwert. Oft überwiegen die stärkeren Farbanteile des Glühbirnenlichts, so dass der Schwarzwert einen leichten Farbstich hat.


Beispiel: Grün dominiert im Schwarzwert, da die
Lampe mehr Grünanteile im Licht hat

Unser Filter korrigiert dies im Idealfall und optimiert, als angenehmer Nebeneffekt, auch noch die Farbtemperatur unseres Schwarzpegels. In jedem Fall spielt die exakte Farbtemperatur bei dem Schwarzwert dank unseres Auges eh kaum eine Rolle: Bei so dunklen Grautönen wie dem minimalen "Schwarz" eines Projektors ist es nicht mehr in der Lage, leichte Farbverschiebungen festzustellen.

Durch die Verbesserung des Schwarzwertes bei gleichem Weiß wird der Kontrast des Projektors erhöht. Hier noch mal eine Gegenüberstellung unseres Beispielprojektors, mit und ohne Farbfilter:


Der Schwarzpegel ist links (mit Filter) geringer als rechts (ohne Filter).
Bei gleichem Maximalweiß erhöht sich somit der Kontrast.

Der Projektor mit Farbfilter verfügt über einen besseren Schwarzwert und damit über mehr Kontrast.


2.1 Farbfiltervarianten


Oben beschriebene Farbfilter sind sogenannte "Color Compensating", kurz "CC"- Filter.


Zahlreiche Farb- und Intensitätsvarianten
Hier: Günstige Kunststofffilter

Sie gibt es in verschiedenen Farben und Stärken. Beides ist in der Typenbezeichnung stets angegeben. Die Ziffer gibt die Stärke an ("025"/sehr leicht bis "100"/sehr stark), der Buchstabe die Farbe:

"CC" xx "R" / "G" / "B" / "C" / "M" / "Y" ; xx = 025 bis 100

"R" = Rot - Lässt Rot hindurch und filtert Blau und Grün
"G" = Grün - Lässt Grün hindurch und filtert Rot und Blau
"B" = Blau - Lässt Blau hindurch und filtert Rot und Grün
"C" = Cyan - Lässt Blau und Grün hindurch und filtert Rot
"M" = Magenta - Lässt Blau und Rot hindurch und filtert Grün
"Y" = Gelb - Lässt Rot und Grün hindurch und filtert Blau

Ein "CC 70 B" Filter lässt z.B. Blau komplett durch während er Rot und Grün stark herausfiltert. Ein "CC 5 M" Filter lässt Blau und Rot passieren, filtert aber Grün in sehr leichtem Maße heraus.
Im Projektionsbereich sind, je nach Projektorbeschaffenheit, die Filterstärken von 10 bis 30 zu verwenden.


Hochwertige Glas-CC-Filter

Welche Farbe und Stärke die für den jeweiligen Projektor richtige ist, muss man durch Analyse des Projektors ermitteln.

Der Projektor aus unserem Beispiel hatte Blau als limitierende Farbe, Rot und Grün hatten ungefähr die selbe Stärke. Hier wäre ein CC20B Filter der passende gewesen.

Ein weiteres Beispiel:
Bei unserem zweiten Beispiel verfügt der Projektor über einen deutlichen Rotüberschuss. Blau und Grün sind schwächer:


Rotüberschuss, Blau ist limitierende Farbe

Der Farbfilter soll den Rotüberschuss herausfiltern, Grün und Blau hindurchlassen. Nach obiger Liste ein Cyanfilter. Da der Rotüberschuss sehr stark ist, können wir einen starken Filter benutzen, z.B. einen CC 30 C.
Durch die Filterung werden die Pegel angepasst und der Schwarzwert durch Absenken von Rot verbessert:


Der Rotüberschuss wird gefiltert



Auch im "Schwarz" wird Rot gefiltert

Der Kontrast wird verbessert.


2.2 Überkorrigierende Farbfilterung

Es besteht auch die Möglichkeit, noch stärkere Filter zu verwenden, als für die Korrektur der Farbverteilung eigentlich notwendig ist. In diesem Fall ändert sich die "limitierende" Farbe. Der Projektor verliert Helligkeit. Allerdings ist der Kontrast gleich hoch wie bei "punktgenauer" Filterung, da auch der Schwarzwert von der stärkeren Filterung profitiert.

Ein Beispiel:
Unser erstes Beispiel beschrieb einen Projektor mit Rot- & Grün-Überschuss. Anstatt die Farbdifferenz genau mit entsprechendem Filter auszugleichen, benutzen wir nun einen zu starken Blaufilter z.B. "CC 30 B". Er lässt das gesamte Blau hindurch, filtert aber Rot und Grün so stark, dass sie nun schwächer werden als Blau.
Rot und Grün sind unsere neuen "limitierenden" Farben. Das maximale Weiß muss durch digitale Farbkorrektur im Projektor angepasst werden. Hier geht Helligkeit verloren. Allerdings wird im Schwarz Rot und Grün fast komplett herausgefiltert.


Oben: Genaue Filterung sorgt für maximale Helligkeit
Unten: Überkorrigierende Blaufilterung erniedrigt das maximale Weiß, der Schwarzwert verbessert sich aber im gleichen Maße deutlich


2.3 Anmerkungen

Der Einsatz von Farbfiltern erfordert immer eine komplette Neukalibrierung des Projektors, um die Farbverschiebungen auszugleichen. Hierfür ist ein sehr geübtes Auge oder ein Sensor notwendig.
Rein theoretisch geht durch die Farbfilterung keine Helligkeit verloren. In der Praxis vermindert sich die Helligkeit durch Reflexionen an der Filteroberfläche jedoch um 10% - 15%. Der Helligkeitsverlust hängt von der Beschaffenheit des Filters ab. Hier sollte man auf Qualität achten. Billige Filter produzieren zusätzlich oft auch ungewolltes Streulicht, das die Bildschärfe und Kontrast nachteilig beeinträchtigt.


3. Schwarzwertverbesserung durch Graufilter

Neben Farbfiltern besteht auch die Möglichkeit, Graufilter zur Verbesserung des Schwarzwertes eines Projektors zu verwenden, sogenannte ND (Neutral Density)-Filter.


Ein grauer ND-Filter

Im Gegensatz zu Farbkorrekturfilter beeinflussen sie die Farbtemperatur nicht; Rot, Grün und Blau werden gleichmäßig gefiltert. Eine anschließende Farbkalibrierung ist nicht erforderlich.
Allerdings kann der Kontrast durch ND-Filter nicht verbessert werden: Sie wirken lediglich wie eine Art Sonnenbrille, die das Bild insgesamt dunkler macht, was man unten an Schwarzwert gewinnt, verliert man oben bei Maximalhelligkeit. Ein ND-2 Filter z.B. halbiert den Schwarzwert, die Maximal-Helligkeit beträgt jedoch auch nur noch die Hälfte, der Kontrast bleibt unverändert.
ND Filter sind daher nur für Projektoren empfehlenswert, die über eine überdurchschnittliche Maximalhelligkeit verfügen und auch bei Einsatz eines Filters noch über genug Helligkeit verfügen.


3.1 Anmerkungen

Zwar wird durch ND-Filter die Farbtemperatur nicht beeinflusst, durch die Helligkeitsverschiebungen muss aber die Gammaeinstellung des Projektors angepasst werden. Eine teilweise Neukalibrierung ist also auch hier erforderlich.
ND Filter sind in der Praxis nur dann sinnvoll, wenn ein Projektor keine ausreichende Möglichkeiten zur Farbkorrektur bietet, oder keine maßgeblichen Unterschiede in den Rot / Grün / Blauanteilen besitzt.


4. Kalibrierungseinstellungen der Bildparameter

Wie oben erläutert, erfordert der Einsatz von Filtern, seien es farbige CC oder graue ND Filter, eine Anpassung der Projektoreinstellungen.
Je genauer die Einstellmöglichkeiten des Projektors sind, desto besser kann das Bild angepasst werden.
Ein gewisses Mindestmaß an Einstellmöglichkeiten ist bei praktisch jedem Modell vorhanden, wir erläutern an dieser Stelle die wichtigsten Funktionen:


4.1 "Gain" - Parameter

Gute Projektoren verfügen über separat einstellbare "Gainwerte" für Rot, Grün und Blau. Mit Hilfe dieser Einstellparameter ist es möglich, die Farbanteile für jede Grundfarbe einzeln zu justieren. Je höher der Wert, desto mehr "Farbe" des entsprechenden Tons.


Gain- Einstellungen

Die Anteile sollten so optimiert werden, dass eine Farbtemperatur von 6500° Kelvin erreicht wird (siehe oben). Alle anderen Einstellungen führen zu verfälschten Farben.


4.2 "Kontrast" / "Whitelevel" - Parameter

Die Kontrast- (anderer Name: Whitelevel) Einstellung eines Projektors beeinflusst ebenfalls die Lichtstärke der Grundfarben, hier allerdings für alle drei gleichzeitig.
Je höher die Kontrasteinstellung, desto mehr Rot-, Grün- und Blauanteile werden ausgegeben.


Links: Starker Kontrast, helles Weiß
Rechts: Niedriger Kontrast, "dunkles" Weiß

Bei maximaler Kontrasteinstellung erhalten wir das hellste Weiß. Allerdings ist hier zu beachten, dass, wie oben detailliert erläutert, der Projektor bei übertriebener Kontrasteinstellung nicht in der Lage ist, die richtige Farbtemperatur von 6500°Kelvin zu halten, da die Grundfarben bauartbedingt nicht die gleiche Stärke haben.


Links: Richtige Farbtemperatur,
Rechts: Verfälschung durch übertriebenen Kontrast / Whitelevel

Kontrast und Gaineinstellungen müssen demnach so aufeinander abgestimmt sein, dass der Projektor das maximale Weiß bei richtiger Farbtemperatur erzeugt.


4.3 "Brightness" / "Blacklevel" - Parameter

Die Brightness bzw. Blacklevel Einstellung des Projektors bestimmt den Pegel, ab dem Farben ausgegeben werden. Auch er beeinflusst stets alle Grundfarben gleichzeitig. Seine genaue Anpassung sind für die Detailwiedergabe und Kontrast von besonderer Bedeutung.
Ein zu niedrig eingestellter Schwarz-Pegel (hohe Brightness) veranlasst den Projektor stets Farben (R,G,B) auszugeben, auch wenn sie im Bildsignal nicht "angefordert" werden. Bildsignale werden zu diesem "Grundleuchten" entsprechend hinzuaddiert. Dadurch erhöht sich zwar die Bildhelligkeit, aber der Schwarzwert wird verschlechtert, er verwandelt sich in ein helleres Grau. Da der Whitelevel sich bei richtiger Farbtemperatur aber nicht erhöhen lässt, verlieren wir Kontrast, denn: Das Verhältnis zwischen maximalem Weiß und Schwarz (jetzt heller), verschlechtert sich.


Unten: Schlechterer Schwarzwert und Kontrast

Im Bild macht sich dies durch einen blassen, verwaschenen Eindruck bemerkbar:


Links: Original, Rechts: Übertriebene Brightness
Das Bild wirkt verwaschen, Schwarz wird Grau

Ein zu hoch eingestellter Schwarz-Pegel (geringe Brightness) hingegen bewirkt, dass die "Schwelle", ab der der Projektor Bildinformationen ausgibt, zu hoch wird. Dadurch "verschluckt" der Projektor dunkle Bildinhalte des Signals. Umgangssprachlich wird dies oft als "Absaufen" von dunklen Bildpartien bezeichnet.


Links: Original, Rechts: Zu Hoher Schwarzpegel
Dunkle Bildpartien "verschwinden" im Schwarz

Auch in der Grauskala ist das Verschlucken von dunklen Tönen zu erkennen:


Unten: Der dunkelste Graubalken wird zu Schwarz

Der Schwarzwert kann durch eine zu geringe Brightnesseinstellung übrigens ebenfalls nicht verbessert werden, da der Projektor, wie oben erklärt, stets ein gewisses Maß an Restlicht hindurchlässt, unabhängig von irgendwelchen Einstellmöglichkeiten.

Eine perfekt eingestellte Brightness erhält den maximal möglichen Schwarzwert und setzt den Pegel so, dass Bildinformationen gerade über dem Pegel des Schwarzwertes richtig wiedergegeben werden.


4.4 "Bias" - Parameter

Gute Projektoren verfügen über für jede Grundfarbe einzeln einstellbare Biaswerte. Sie beeinflussen die Pegel, ab der Rot, Grün oder Blau minimal ausgeben wird.
Sie verhalten sich gegenüber der "Brightness / Blacklevel" Einstellung ähnlich wie "Gain" gegenüber "Kontrast / Whitelevel".
Sie müssen zusammen mit der Brightness-Einstellung also so optimiert werden, dass die Farbtemperatur für dunkelste Bildinformationen stimmt (6500°Kelvin bei Grau).


4.5 Anmerkungen

Oben kurz erläuterte Bildeinstellparameter stellen das Minimum dar, das man zur Verfügung haben sollte, um einen Projektor zu optimieren. Die Mehrzahl der modernen Projektoren haben sie für den Anwender zugänglich in den Bild-Menüs. Wenn nicht, gibt es oft versteckte "Service-Menüs", die ursprünglich nur für Servicetechniker gedacht sind. Mit verschiedenen Tricks, die von Hersteller zu Hersteller verschieden sind, lassen sie sich aktivieren. Im Internet findet man die Aktivierungsmöglichkeiten oft nach intensiver Recherche in Foren oder "Tweak" Seiten.
Oft sind diese Service Menüs derart umfangreich, dass sie noch zahlreich andere sinnvolle Einstellmöglichkeiten bieten. Aber es ist Vorsicht geboten! Wenn man nicht genau weiß, was man verstellt, kann ein Projektor dauerhaft verstellt oder sogar beschädigt werden. Aus diesem Grund werden sie ja vor Laien "versteckt".


4.6 Testbilder

Für die richtige Kalibrierung eines Projektors sind bestimmte Testbilder unabkömmlich. Sie findet man auf sogenannten "Kalibrierungs" DVDs, wie sie von diversen Herstellern angeboten werden. Cine4Home wird die bekanntesten auf dieser Seite vorstellen.



Testbilder vereinfachen die Bildkalibrierung

Cine4Home wird ebenfalls die wichtigsten Testbilder in einer eigenen Artikelreihe detailliert in ihren Funktionen erläutern und als .BMP Grafikdatei zum Download bereitstellen.
Dem Laien wird somit das Grundwissen vermittelt, wie er mit einfachen Mitteln sein Heimkinobild perfektionieren kann.


4.7 Messinstrumente

Mit Hilfe von sogenannten Sensoren ist eine noch genauere Bildjustage möglich, da hier das menschliche Auge durch Messinstrumente ersetzt wird.


Digitaler Farbtemperaturmesser

Mit Ihrer Hilfe ist es möglich, sämtliche wesentliche Parameter wie, Schwarzwert, Kontrast, Farbtemperatur etc. genau zu überprüfen und anzupassen. Ergänzende Software wertet die Messungen aus und gibt Hilfestellung bei der Optimierung.
Solche "Komplettlösungen" gibt es in verschiedenen Preisklassen.
Cine4Home wird bezahlbare Lösungen vorstellen und testen.


5. Fazit

Projektoren werden selten mit der maximal möglichen "Performance" ausgeliefert. Durch eine richtige Kalibrierung und den Einsatz von einfachen Hilfsmitteln wie Filter, können sowohl Farbgenauigkeit als auch Kontrast nicht selten deutlich gesteigert werden.
Allerdings ist eine solche "Kalibrierung" sehr zeitaufwändig und setzt sowohl ein geübtes Auge (falls keine Messinstrumente zur Verfügung) als auch ein gewisses Maß an Fachwissen voraus. Mit Hilfe dieses Artikels und oben angedeuteten anderen Artikeln zum Thema Videokalibrierung hofft Cine4Home, Ihnen das notwendige "Know How" zu vermitteln, denn: Die Belohnung für die Mühen ist ein oft faszinierendes neues Bilderlebnis, auf das man besonders stolz sein kann, da man es sich selbst "erarbeitet" hat.

E. Schmitt

 

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